Zitter-Pappel
Die Zitter-Pappel (Espe) ist unsere schnellwachsende, lichtliebende, laubabwerfende Laubholzart mit einer lockeren Krone, die Wuchshöhen von 25 bis 30 Meter erreichen und bis zu 150 Jahre alt werden kann.
Im Waldbestand ist ihr Stamm gerade bis pfahlartig, nicht verastet. Die Rinde der jungen Espe ist glatt, grüngrau mit vielen, kleinen, warzigen Lentizellen. Die Borke älterer Bäume ist schwarzgrau mit Längsrissen.
Die Espe ist ein Flachwurzler, das Wurzelsystem reicht bis in eine Entfernung von mehr als 20 Meter vom Baum. Sie hat einen starken Wurzelausschlag.
Die Zitter-Pappel ist eine zweihäusige Pflanze, die Blüten wachsen auf getrennten Bäumen. Die männlichen Blüten verfügen über rote Staubbeutel, die weiblichen grünen Blüten wachsen in hängenden Kätzchen. Ihre Blütezeit beginnt noch vor dem Blattaustrieb Ende März und im April, spätesten zwischen den europäischen Pappeln.
Die Früchte sind lange und kleine grünbraune Kapseln, die im Mai reifen. Nach ihrer Öffnung werden kleine, weißwollige behaarte Samen freigesetzt.
Der Sage nach schützt die Espe vor Angst vor der Finsternis und dem Unbekannten. Die Kelten fertigten deshalb ihre Schilde gerade aus dem Holz der Zitter-Pappel. Einer christlichen Legende nach ging einmal Christus mit seinen Aposteln durch den Wald. Alle Bäume neigten sich ehrerbietig, nur die stolze Zitter-Pappel strecke stolz ihre Krone heraus. Christus erboste und sagte: „Weil du nicht die Liebe grüßt, die zur dir kommt, um dich zu segnen, wirst du in ständiger Angst bis zum Ende der Zeit zittern. “
Das Holz hat keinen Kern, zeichnet sich durch eine regelmäßige Struktur aus und lässt sich gut bearbeiten.
Verwendung
Das Espenholz ist sehr weich, relativ elastisch, leicht und gut spaltbar. Espensplitter wurden deshalb zur Herstellung von unterschiedlichen Flechtwerken, sogenannten Sparteriewaren verwendet. Das waren ebene, plattenartigen Formen, die durch das Flechten von Holzstreifen entstanden. Es wurden ein bis fünf Millimeter dünne Streifen gewebt, dabei wurde auch ein Faden mit eingeflochten, danach wurden sie später gebleicht oder gefärbt. Aus diesen Streifen wurden Hüte, Gedeck, bedruckt mit verschiedenen Motiven, Fensterläden, Lampenschirme, Zigarettenetuis, Bonbonieren hergestellt.
Im Trockenen ist das Espenholz relativ dauerhaft. Es zieht die Feuchtigkeit an, somit konnte es gut Lehmputz halten. So gegen Feuer geschützt, wurde es häufig beim Bau von Schaf-, Pferde-, Kuh- und Schweineställen und Getreidespeicher verwendet. Im Haushalt wurden aus dem Holz der Zitter-Pappel Holzschuhe, leichte Fässer, Schaufeln, Zigarrenschachteln und Zündhölzer hergestellt.
Heute wird das Espenholz insbesondere zur Herstellung von Zündhölzern und Zellstoff, aber auch für Saunakabinen und Bugholzmöbel verwendet. Aus dem Holz der Zitterpappel werden Furniere, Sperrholz und Papier hergestellt.
Der Überlieferung nach war das Espenholz ein Teil des Kreuzes, an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde. Die Espe ist sich dieser Tatsache bewusst. Deswegen zittert ihr Laub vor Scham.
Die Zitter-Pappel ist eine wichtige Honigpflanze – im Vorfrühling, wenn Mangel an Nahrung herrscht, bietet sie Bienen eine Weide an.




